Schmerz

Der Schmerz ist schwer und gewaltig. Wie eine Welle oder Sturm, mitreißend in die Tiefe. In der Tiefe ist es dunkel, ohne Luft zum atmen, kein Boden, keine Wände – nichts zum Festhalten.
Es erinnert an das Gefühl von damals, als die Welt so dunkel war, dass der fernste Ort sehr hell erschien. Als das Mädchen fallen gelassen wurde ins Leere von der ganzen Welt. Allein gelassen in der Dunkelheit, in der Verwirrung und Orientierungslosigkeit. Nicht gesehen, nicht verstanden. Unwichtig, falsch, klein und wertlos. Vergessen von der Welt. Der tiefste Schmerz, den sie kennen gelernt hat und nie wieder spüren wollte.
Nun ist er wieder da, war vielleicht nie weg. Er zerreißt mich, er erdrückt mich, er lässt mein Herz brennen und die Luft knapp werden. Er lässt mich so klein sein wie damals.
Nur bin ich jetzt nicht mehr klein. Ich kann den Schmerz fühlen, ich kann es aushalten, weil ich stark genug bin hinzuschauen. Jedesmal aufs Neue, wenn die Welle kommt. Mit dem Wissen, dass das Wasser irgendwann wieder ruhiger wird…